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Fassaden-Fachgespräch mit Dr.-Ing. Peter Küffner:
Was bringt die neue Riegel-Riegel-Fassade?

Frage:
Die Firmengruppe Hueck/Hartmann hat auf der BAU 2003 das innovative Konzept einer Riegel-Riegel-Fassade vorgestellt, bei der Pfosten und Riegel eine gleiche Profilgeometrie aufweisen. Daraus resultieren manifeste, mehrstufige Rationalisierungseffekte von der Fertigung über Werkzeugkosten und Lagerhaltung bis zur Montage. Zudem wird die Wirtschaftlichkeit auf Seiten des Verarbeiters durch eine maximale Längenausbeute pro Stab optimiert. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Dr. Küffner:
Diese Entwicklung führt aus meiner Sicht zurück zu den Anfängen der Fassadentechnik, in denen Riegel-Riegel-Konstruktionen üblich waren. Erst der Wunsch auch horizontale und schräge Flächen zu verglasen, erforderte die dann üblich gewordenen Pfosten-Riegel-Konstruktionen, die meines Erachtens bei vertikalen Fassaden verzichtbar sind. Die gelungene Neukonstruktion der Riegel-Riegel-Fassade ist nicht zuletzt unter Kostenaspekten interessant und, da nicht mit Nachteilen verbunden, zu begrüßen.

Frage:
Rationalisierung am Bau ist sicherlich ein wichtiges Thema. Praxistauglichkeit ein anderes. Wie schneidet diese Neuentwicklung aus Ihrer Sicht in diesem Punkte ab?

Dr. Küffner:
Ich bin der Ansicht, dass die neue Riegel-Riegel-Fassade eine interessante, praxisgerechte Lösung darstellt - auf jeden Fall in der Vertikalen. Ich könnte mir auch eine für Schrägen und horizontale Flächen brauchbare Lösung vorstellen, wenn es gelingt, eine entsprechende Wasserabführung zu realisieren. Auf jeden Fall sehe ich in der neuen Riegel-Riegel-Lösung einen interessanten Ansatzpunkt, der günstige Kosten und eine gelungene technische Problemlösung auf einen gemeinsamen Nenner bringt.

Frage:
Bei elementierten Vorhang-Fassaden spielen neben Luftdurchlässigkeit, Schlagregendichtigkeit und Widerstand gegenüber Windlasten eine wichtige Rolle. Wie beurteilen Sie die neue Fassade und ihre Verbindungstechnik in dieser Hinsicht?

Dr. Küffner:
Ich kann hinsichtlich Luftdurchlässigkeit, Schlagregendichtigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Windlasten keine Defizite erkennen. Etwaiges Leckagewasser dürfte über die feldweise anzuordnenden Entlüftungsprofile zuverlässig ausgebracht werden.

Frage:
Können Sie auch etwas über die Lösung des Dampfdruckausgleiches sagen?

Dr. Küffner:
Die Flächen werden effizient belüftet. Zwischen Glas und Dämmprofil gibt es eine umlaufene Luftschicht.

Frage:
Wie stufen Sie die thermischen Qualitäten der neuen Riegel-Riegel-Fassade ein?

Dr. Küffner:
Gut! Bekanntlich leiden alle Fassadensysteme darunter, dass die durch die Profile geführten Schrauben eine gewissse Wärmbrücke darstellen. Diese ließe sich vielleicht noch minimieren, wenn man den metallischen Kontakt von Schrauben und Profilen durch eine dämmende Unterlegscheibe vermiede, die vielleicht noch mit einer kurzen Buchse versehen wäre, um auch eine seitliche metallische Berührung von Bolzen und Profil auszuschließen. Ansonsten halte ich die hier vorgestellte Lösung für überzeugend. Bei der Variante mit geschäumten Distanzprofilen ist die seitliche Dämmung der Schrauben gut gelöst - das zeigen auch die Prüfungen des Uf-Wertes.

Frage:
Wie würden Sie unter Berücksichtigung der technischen und optischen Eigenschaften die neue Fassade abschließend beurteilen?

Dr. Küffner:
Die Riegel-Riegel-Fassade stellt eine interessante Weiterentwicklung der bekannten Pfosten-Riegel-Technik dar und präsentiert sich als in sich schlüssige Systemlösung, die nicht zuletzt auch durch eine umfassende, durchdachte Dokumentation überzeugt. Diese bietet dem planenden Architekten wie auch dem ausführenden Verarbeiter alle Informationen, die notwendig sind, um sowohl Standard- als auch Sonderlösungen perfekt zu planen und umzusetzen. Besonders erwähnenswert sind die gute Aufmachung und Verständlichkeit der technischen Dokumentation. Ich glaube, dass die Riegel-Riegel-Fassade auf das Interesse der Verarbeiter zählen kann und auch ihren Markt finden wird. Zugleich beweist diese gelungene Entwicklung, dass fortschrittliche Lösungen nicht nur in Großunternehmen geboren werden, sondern mittelständische Firmen nach wie vor in der Lage sind, ihren Beitrag zu Effizienz und Ideenvielfalt zu leisten.

Erich H. Heimann

Die Interviewpartner:

Dr.-Ing. Peter Küffner leitet das Institut für Bauphysik und Fassadentechnologie in Düssseldorf und ist bei vielen Großprojekten in beratender Funktion tätig. Er ist zudem von der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Fassaden, Fenster, Türen und Tore aus Metall. Außerdem ist Dr. Küffner Lehrbeauftragter der Fachhochschule Hildesheim und Mitglied in mehreren Berufsverbänden.

Erich H. Heimann ist freier Journalist mit Schwerpunkt Bautechnik und Architektur und betreibt seit mehr als drei Jahrzehnten ein eigenes Pressebüro in Düsseldorf.

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